Deutscher Gewerkschaftsbund

Der 1. Mai und die rote Nelke

Der 1. Mai ist heute so selbstverständlich wie Weihnachten oder Himmelfahrt ein gesetzlicher Feiertag. Und so wie für viele der Sinn von Weihnachten verblasst, wissen immer weniger Menschen, wann, warum und für wen der 1. Mai zu einem besonderen Feststag wurde. 

Ursprung war der Gründungskongress der 2. Internationale im Juli 1889 in Paris, der die Arbeiter aller Länder aufforderte, am 1. Mai 1890 für ihre Rechte, vor allem den Achtstundentag, einzutreten.

Gegen den Widerstand der Obrigkeit wurde der 1. Mai zu einem Kampftag zur Mobilisierung und Solidarisierung der Arbeiter in der ganzen Welt.

Obwohl am 1. Mai 1890 in Deutschland noch das „Sozialistengesetz“ in Kraft war, wurde auch hier dieser Tag zu einem einprägsamen Ereignis. Der spätere Reichspräsident Paul Löbe, der als 15-jähriger Lehrling den 1. Mai 1890 in Liegnitz erlebte, berichtet darüber:

Da Versammlungen verboten waren, blieb nur der gemeinsame Ausflug in benachbarte Gartenlokale übrig. Das Mitführen von Fahnen war selbstverständlich auch nicht gestattet.

 Darum wählte man die rote Nelke im Knopfloch als Abzeichen der Gleichgesinnten.

Heute könnte man natürlich vor dem individuellen Ausflug in benachbarte Gartenlokale ungestraft an einer nicht verbotenen Versammlung teilnehmen.