Deutscher Gewerkschaftsbund

DGB-Kresiverband Göttingen holt verschobenen Termin nach

Vortrag zur Kolonialschule Witzenhausen

Kontinuitäts­linien von Kolonial­ismus, Rassismus, Völker­mord zum National­sozialismus

iCal Download
Größere Karte anzeigen © OpenStreetMap-Mitwirkende

Vortrag im Holbornschen Haus Göttingen

Referent: Roland Laich, NS-Familien-Geschichte: hinterfragen – erforschen – aufklären e.V., Göttingen

Der Vortrag zur Geschichte der Kolonial­schule Witzen­hausen beleuchtet die Entwicklung expansiv-imperialer Ansätze für deutsche „Schutz­gebiete“ hin zu völkisch-rassist­ischen Grundlagen für die Eroberung, Vernichtung und Neu­besiedlung in Ost­europa während des National­sozialismus („General­plan Ost“).

Koloniale Tatorte werden in Göttingens Nähe wenig vermutet. Doch aus­gerechnet im beschau­lichen Witzen­hausen wurde 1898 die „Deutsche Kolonial­schule“ als zentrale land­wirtschaft­liche Ausbildungs­stätte für deutsche Kolonien gegründet. Bereits ihre Gründungs­idee fußte auf Rassismus und „Herren­menschen“-Ideologie. Kolonial­schüler beteiligten sich später am Völkermord an Herero und Nama.

Fanatischer Anti­semitismus unter Schülern und Lehrenden machte die Schule zur regionalen Keimzelle des auf­kommenden National­sozialismus. Bereits 1931 kam es zu einem anti­semitischen Pogrom, als Kolonial­schüler ein Lager des jüdischen Wander­bundes Brith Haolim angriffen. Einen Tag vor den reichs­weiten Pogromen 1938 wurde die Witzen­häuser Synagoge erst geplündert, später nieder­gebrannt.

Die völkisch-agrarische Siedlungs­bewegung der „Artamanen“ fand unter den Kolonial­schülern Anhänger wie Richard Walther Darré, den späteren „Reichs­bauern­führer“ und Leiter des SS-„Rasse- und Siedlungs­hauptamts“. Unter dem Kampf­begriff „Neuadel aus Blut und Boden“ sollten „Artamanen“ als „Wehrbauern“ die ent­völkerten Gebiete besiedeln und eine Grundlage zur Zucht einer „arischen“ Rasse bilden.

Abschließend werden Konituitäts­linien in diesem Geist bis in die heutige Zeit aufgezeigt: Seit einigen Jahren existieren wieder „völkische“ Höfe und Siedlungen nach Vorbild der „Artamanen“. Sie betreiben „art­gerechten“ Öko­landbau, verkaufen ihre Produkte in Hofläden und drängen in die ländlichen Sozial­strukturen.


Nach oben

Zuletzt besuchte Seiten