Deutscher Gewerkschaftsbund

15.01.2018

100 Frauen 100 Jahre und eine Dekade Frauenneujahrsbegegnung Goslar

Organisatorinnen

Die Frauenneujahrsbegegnung gibt es dank ihnen (v.u. links aufsteigend)
Ingrid Sander (DGB-Frauen), Karin Appel (DGB), Elke Hannack als Gast (DGB Bundesvorstand), Brigitte Harder “Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft“, Theresia Menzel-Meer (Gleichstellungsbeauftragte Landkreis Goslar), Vera Tiez (Gleichstellungsbeauftragte Stadt Goslar), Rosi Bergmann (DGB-Frauen), Christine Hochhut, Ulla Wernicke (DGB-Frauen)
DGB

Sind 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland ein Grund zum Feiern? Für rund hundert Frauen aus dem Raum Goslar war es jedenfalls ein wichtiger politischer Anlass, um am Frauenneujahrsempfang 2018 teilzunehmen. Zum zehnten Mal kamen Frauen verschiedener Verbände, politischer Zusammenhänge und Parteien auf Einladung der Gleichstellungsbeauftragten und der DGB-Frauen im Kreishaus Goslar zusammen, um einen Rückblick auf Errungenschaften der Gleichstellungs- und Frauenpolitik zu werfen. Aber auch um Gleichstellungsziele zu benennen, die noch erreicht werden müssen.

Nach dem Motto „Alles ist Musik – Musik ist alles“ bot die Mädchen-Tanzgruppe J.E.T.-Minis des MTV symbolisch für die nächsten und übernächsten Generationen von Frauen*, die hier das sagen haben werden, einen quirligen Auftakt.

DGB-Kollegin Karin Appel lud anschließend die Gäste ein, am Empfang mit 1. Kreisrätin Regine Körner, Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Goslar Theresia Menzel-Meer, Sprecherin der “Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft“ Brigitte Harder und DGB-Bundesvorstandsmitglied Elke Hannack teilzunehmen. Begleitet von den wunderbaren Klängen des Akkordeons (gespielt von Rotary-Förderpreisträgerin Eva Debbeler), bei Sekt, Snacks und Selters bildeten sich immer mehr Tischgruppen. Ein voller Kreistagssaal, ein voller Erfolg. Kreisrätin Regine Körner fragte sich in ihren Begrüßungsworten, wie es 2018 zu bewerten sei, dass ihr Vater noch vor ein paar Jahrzehnten ihre Mutter begleitete, als sie einen Arbeitsvertrag unterschreiben wollte.

„Ja, das hätten wir hinter uns gelassen. Aber eine Entgeltgleichheit noch lange nicht“, stellte Körner fest.

Das werde den ebenfalls seit zehn Jahren ausgerufenen Equal Pay Day „leider“ auch weiterhin aktuell halten. Körner bedankte sich bei den Initiatorinnen und Organisatorinnen des Neujahrempfanges für den wunderbaren Rahmen zum politischen Austausch und Begegnung von Frauen.

Einen engagierten, hoch aktuellen gleichstellungspolitischen Beitrag hielt die stellvertretende DGB-Bundesvorsitzende Elke Hannack und erntete viel Applaus. Dieser enthielt eine kritische Bewertung des aktuellen backlashs überkommener Geschlechtervorstellungen durch Parteien wie der AfD.

 

„Wird wieder diskutiert werden, ob Quotenreglungen einen „leistungslosen“ beruflichen Aufstieg von Frauen zum Nachteil von Männern fördern? Wird die Frage nach der vermeintlich „natürlichen Bestimmung der Geschlechter“ wieder gestellt und über die angebliche Diskriminierung von Müttern ohne Berufstätigkeit lamentiert werden? Werden die Stimmen lauter, die den Equal Pay Day für eine aufgebauschte „Propagandaaktion“ halten? Wir müssen wachsam sein, liebe Kolleginnen, und uns darauf vorbereiten, Erreichtes zu verteidigen – gegen alle, die rückständige Positionen in der Frauen-, Gleichstellungs- und Familienpolitik vertreten und sie in die Mitte der Gesellschaft tragen!“ Elke Hannack

 

Genauso aber hagelte es von Hannack Kritik an den viel zu langsam mahlenden Mühlen der Entgeltgleichheit und am gegenwertigen Entgelttransparenzgesetz. Dieses werde keinen entscheidenden Beitrag zum Abbau der Entgeltlücke zwischen Männern und Frauen leisten. Dazu ist das Instrumentarium des Gesetzes, das sich im Wesentlichen im individuellen Auskunftsanspruch und in Berichtspflichten mit geringer Aussagekraft erschöpft, zu unverbindlich, und die Reichweite des Gesetzes ist zu gering. Frauen in kleinen Betrieben erreicht das Gesetz gar nicht erst.

 

„Ja wo sind wir denn im Jahr 2017, dass uns erst erlaubt werde nachzufragen, wieviel wir im Vergleich zu Männern verdienen!“,

stelle Hannack empört fest und schloss damit an das familiäre Beispiel aus der Elterngeneration von Regine Körner an.

Ihre Forderung zur Durchsetzung der Entgeltgleichheit, einem verbrieften Recht auf Rückkehr in Vollzeit, einer Abschaffung der Minijobs, sodass es künftig keine Rentenlücken zu befürchten gibt, stelle Hannack in eine historische Verpflichtung gegenüber vielen Generationen von Frauen, die sei der 1.Frauenbewegung vor rund 130 Jahren für die Rechte nach Gleichstellung kämpften. Hannack zitierte aus dem Aufruf des Vorstandes des Vereins zur Vertretung der Interessen der Arbeiterinnen 1885, der dazu aufgerufen hat, für Lohngleichheit zu kämpfen:

 

 „Schwach sind wir, solange wir nicht zusammenhalten, solange wir nicht erkannt haben, dass wir uns organisieren müssen … Aber wir sind stark und wir sind eine Macht, wenn wir vereint und geschlossen vorwärts gehen, von einem Willen getrieben und von einem Gedanken beseelt, der da ist: Höherer Lohn für die weibliche Arbeit!“ „Auf ihren Schultern stehen wir. Ihren Kampf setzen wir – über 130 Jahre später – fort“,

bekannte sich die DGB-Frau an der Spitze. Der gesamte Beitrag von Elke Hannack ist hier unten im Download nachzulesen.

Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis Goslar Resi Menzel-Meer und Sprecherin der “Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft“ Brigitte Harder luden abschließend die Gäste aus Goslar und Umgebung dazu ein, in kleinen Gruppen zu diskutieren und weitere politische Pläne zu schmieden. Eine Einladung, der alle nur allzu gerne nachkamen, sodass ein toller Austausch in Bewegung gesetzt wurde. Die wunderbaren Bilder der Frauenneujahrsbegegnung verdeutlichen den Erfolg und den Charakter diesen fest verankerten Events in Goslar.

 

Einladung

All women are welcome DGB Goslar


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