Deutscher Gewerkschaftsbund

25.04.2016
Gewerkschaftsfrauen mobilisieren zum Internationalen Frauentag und Equal Pay Day

Unsere Zeit, unser Geld!

Seit 1911 machen Frauen in Europa den Internationalen Frauentag zu ihrem Tag: als Arbeitnehmerinnen, politische Akteurinnen, Familienfürsorgende und aufgrund all der anderen Aspekte, für die Frauen sich zuständig machen und gemacht werden. Gewerkschaftsfrauen waren von Anfang an dabei wenn am 8. März Forderungen und Kämpfe aus Frauenperspektive öffentlich laut gemacht werden. Auch nach 105 Jahren gibt es für Gewerkschafter_innen Anlass genug weiter um soziale Gerechtigkeit zu streiten: schließlich entwickeln sich politische und Erwerbsbedingungen rasant weiter. DGB-Frauen in unserer Region rufen alle Kolleg_innen und solidarische Kollegen dazu auf, sich an den zahlreichen Veranstaltungen zu beteiligen. Es ist unsere Zeit, es ist unser Geld!

Hier zunächst der Aufruf der DGB-Frauen zum diesjährigen 8.März unter dem Schwerpunkt Arbeitszeitsouveränität - heute für morgen Zeichen setzen!

 

Anlässlich des Weltfrauentages 2016 diskutierten in Göttingen am 15.03.2016 Gewerkschafterinnen aus dem DGB-Kreisverband Göttingen und dem ver.di Ortsfrauenrat im Rahmen der After-Work-Bildungsreihe des Bildungswerkes ver.di zum höchst aktuellen Thema „Ist die Arbeit der Zukunft gerechter – Chancen und Risiken der Digitalisierung aus der Geschlechterperspektive“. Der gut gefüllte Raum der ver.di Geschäftsstelle beim Impulsvortrag von Gastreferentin Dr. Yvonne Lott von der Hans-Böckler-Stiftung lässt die Brisanz der Fragestellung vermuten. „Eigentlich ist gerade niemand genau im Bilde über die die genaue Situation und die Folgen der Digitalisierung der Arbeitswelt“ erschreckte die Leiterin der Forschungsabteilung „Wandel der Erwerbsarbeit“ der gewerkschaftsnahen Stiftung zu Beginn ihrer Ausführungen das Publikum über den Ist-Zustand von Arbeit 4.0.

Sehr schnell wurde aber deutlich, dass sich sehr wohl jetzt schon Risiken abzeichnen und diese speziell für Frauen in der Arbeitswelt gelten. Mit der Digitalisierung setzen sich mehr und mehr flexiblere Arbeitszeiten durch. Dies klingt zuerst gut, betrachtet man die Notwenigkeit von Arbeitszeitsouveränität zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatem. Studien belegen jedoch, dass „Selbstbestimmte Arbeitszeit“ (Dies bedeutet, dass keine Kernarbeitszeiten vom Betrieb festgelegt werden und die Beschäftigten selbst entscheiden, ob sie nachts oder tagsüber arbeiten) zu einer Arbeitsverdichtung und zur Erhöhung der gegebenen Workload führt. Dann freut man sich aus der Arbeistnehmer_innenperspektive gleich nicht mehr so sehr über die steigende Digitalisierung der Arbeitswelt.
Untersuchungen von Frau Dr. Lott ergaben, dass flexiblen Arbeitszeiten wie Teilzeit oder „Selbstbestimmte Arbeitszeiten“ in den meisten „Betriebs-Kulturen“ den weiblichen Angestellten zum Nachteil reichen. Wenn Frauen diese flexiblen Arbeitszeiten wahrnehmen, würde dies vom Betrieb meist so interpretiert, dass Frauen dies für rein private Zwecke (wie z.B. Kindererziehung) nutzen würden. Bei Männern hingegen würde dies positiv interpretiert werden, dass männliche Angestellt das Allgemeinwohl des Betriebes bedenken würden und daher flexibel einsatzbereit seien. Dies führe sogar oft zu einer Gehaltserhöhung sobald Männer in das flexible Zeitenmodell wechseln. Ein Punkt, auf den einige Zuhörer_innen immer wieder in der Diskussion zurückkamen.

Ein weiteres Risiko der Digitalisierung für beide Geschlechter nannte die Referentin neben der Arbeitsintensivierung und -verdichtung, wenn Multitasking zum Dauerzustand werde und die Work-Life-Balance schmerzlich verschlechtert werde.

Besonders spannend erwies sich die anschließende Diskussionsrunde, bei der ver.di-Kollegin aus den Branchen Weiterbildung, Einzelhandel und Gesundheitsversorgung im Krankenhaus durch viele anschauliche Beispiele aus ihren aktuellen Arbeitsrealitäten berichteten. Es wurde deutlich, wie weit die Digitalisierung bereits ganze Berufsfelder kontinuierlich verändert. Arbeitsabläufe sind vereinfacht worden, aber auch schon jetzt zeichnet sich eine fortschreitende Entgrenzung von Arbeit ab, so die Betriebratsmitglieder auf dem Podium. In fast allen Branchen wird zunehmend eine ganzheitliche Erreichbarkeit erwartet.

Gewerkschaftssekretärin Agnieszka Zimowska vom DGB erinnert im Schlusswort daher noch einmal daran, dass trotz all der Technik-Verliebtheit, der Mensch im Mittelpunkt stehen müsse und die Gewerkschaften sich dafür einsetzen werden, dass es nicht durch die vermehrte Digitalisierung zur vollkommen Entgrenzung von Arbeit und Freizeit kommen darf.

Die After-Work-Bildungsveranstaltungen werden vom ver.di-Bildungswerk jeden 4. Dienstag im Monat in der ver.di Geschäftsstelle (Groner-Tor-Str. 32, 37073 Göttingen) kostenfrei angeboten. Die Veranstaltungen geben jeweils Einführungen in Themen, die die berufliche oder private Lebensgestaltung erleichtern sollen.

Der ver.di Ortsfrauenrat ist eine offene Gruppe von engagierten ver.di-Mitgliedern, die sich innerhalb der  ver.di Strukturen kraftvoll für die Gleichstellung von Frauen im Beruf und in der Gesellschaft einsetzen.

 

Verfasserin: Marie-Antoinette Sibold

GÖTTINGEN DGB-Frauen und ver.di-Ortsfrauenrat in Göttingen sind aktiver Teil des alljährlichen Rahmenprogramms des Göttinger Frauenforums anlässlich der politischen Tage im März. Das Frauenforum engagiert sich seit 1994 für den Internationalen Frauentag, dieses Jahr unter dem Motto "Gemeinsam solidarisch International", auf der Grundlage von Diskussionen aktueller und zukünftiger Strategien in der Gleichstellungs- und Frauenpolitik. Hervorzuheben im Programm ist der Fokus auf Migrantinnen und geflüchtete Frauen. Am 8.März wird Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler gemeinsam mit vielen Forumsfrauen ins politische Gespräch gehen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Das Gesamtprogramm des Frauenforums zum Internationalen Frauentag und Equal Pay Day in Göttingen gibt es hier: http://www.frauenforum-goettingen.de/dl/2016/flyer-internationaler-frauentag-2016.jpg

 

 

Logo Internationaler Frauentag 2016

DGB Frauen

DUDERSTADT DGB-Frauen in Duderstadt können auf eine lange Geschichte erfolgreicher Vernetzung blicken. Das Frauenfrühstück, das sie jedes Jahr mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt ausrichten, ist ein Magnet am Internationalen Frauentag. Deswegen laden sie auch dieses Jahr

Am 8.März, 2016 in den Bürgersaal, Rathaus Duderstadt, um 9:00 Uhr  alle interessierten Frauen ein.

Um eine verbindliche Anmeldung bis zum 4.3.2016 unter tel:05527-8410 wird gebeten.

.

Logo equal pay day

equal pay day

GOSLAR  Den Protesttag Equal-Pay-Day 2016 nutzen die DGB-Frauen in diesem Jahr, um auf den Unterschied beim Bruttomonatsverdienst aufmerksam zu machen. Unter dem Motto:

Was ist meine Arbeit wert? wird am 19. März 2016 von 11:00 bis 13:00 Uhr auf der Rosentorstraße vor der Jakobikirche, Goslar informiert.

Im Jahr 2014 verdienten Frauen durchschnittlich 21,6 Prozent weniger als Männer. Rechnet man den Prozentwert in Tage um, arbeiten Frauen 79 Tage, vom 1. Januar bis zum 19. März 2016, umsonst. In kaum einem anderen EU-Land ist die Entgeltlücke so groß! Wir fordern gesetzliche Regelungen zur Durchsetzung der Entgeltgleichheit, damit Unternehmen verpflichtet werden, ihre Entgeltpraxis zu überprüfen und geschlechtergerecht zu gestalten. Wir fordern die Gleichbehandlung aller Arbeitsverhältnisse, damit auch MinijobberInnen sozial abgesichert arbeiten und ihren Anspruch auf Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall u.v.a.m. durchsetzen können.

Wer Chancengerechtigkeit für Frauen erreichen will, muss auch für die Überwindung der Entgeltlücke sorgen! Dafür stehen wir GewerkschafterInnen am Equal Pay Day!


Nach oben

Zuletzt besuchte Seiten