Deutscher Gewerkschaftsbund

18.10.2019

Können Roboter Menschen pflegen?

Diskussion in der Reihe dabei.digital zur Digitalisierung in der Pflegebranche

Auf der Diskussionsplattform #dabei.digital im Seniorenzentrum Göttingen versammelten sich keine Pflegebedürftigen. Aber neben interessierten Gästen – davon etliche selbst in der Pflegebranche tätig – sprachen auch Menschen über ihre Sorgen und Hoffnungen, wenn sie mal die Pflege anderer in Anspruch nehmen werden müssen. Zum Tag der älteren Generation befassten wir uns von dabei.digital mit den Fragen von Veränderungen, Chancen und Nachteilen der digitalen Entwicklung von Pflege. Pflegeleiterin des Seniorenzentrums Barbara Braune-Eisenberg verwies zunächst darauf, dass Patient*innen alle für sich sehr unterschiedlich sind und reagieren. Es müsse gewährleistet sein, dass sehr individuell angepasst mit ihnen umgegangen wird. Ein Gast machte deutlich, das zentrale Problem auch in Bezug auf die Digitalisierung in der Pflege sei, dass Pflegeeinrichtungen immer stärker marktwirtschaftlichen Prinzipien unterworfen sind. Im Zentrum stünden so nicht eine möglichst gute Pflege oder gute Arbeitsbedingungen. Das müsse sich ändern, wenn die Digitalisierung in der Pflege ein Erfolg werden soll!

Personalratsvorsitzende der UMG Göttingen, Erdmuthe Bach-Reinert, ver.di, verwies darauf, dass Digitalisierung in der Pflege und gute, IT-gestützte Dokumentation viel genauer seien, vielseitiger und vor allem schneller. Die Digitalisierung dürfe hierbei allerdings nicht zu einer stärkeren Überwachung der Beschäftigten führen! Um das zu vermeiden, brauche es von Beginn an klare Schutzmechanismen. Die durch Digitalisierung gewonnene Zeit müsse im Sinne der Beschäftigten und der Patient*innen genutzt werden: Sie wird dringend gebraucht um als Pfleger*in mehr Zeit für die Patient*innen zu haben. Wenn stattdessen die Personalschlüssel noch weiter gekürzt werden, ist jedoch nichts gewonnen!

Den verschiedenen Beiträgen konnte auch der Wirtschaftsethiker, Dr. Florian Krause aus St.Gallen nur beipflichten und ermutigen: Digitalisierung in der Pflege könne durchaus für die Pfleger*innen eine Entlastung bedeuten. Beispielsweise die Pflege von Demenzkranken erfordere viel Kraft und Ausdauer. Wenn ein Roboter beispielsweise ermöglicht, dass man als Pfleger*in zwischendurch auch mal fünf Minuten den Raum verlassen kann, führe das zu einer gesundheitlichen Entlastung der Beschäftigten. Die Betreuten gewöhnten sich erfahrungsgemäß in der Praxis sehr schnell an den Einsatz solcher digitaler Hilfsmittel.

Auch eine Fachpraxislehrerin Altenpflege und Pflegeassistenz und selbst erfahrende Pflegekraft Yvonne Begerow von Arbeit und Leben schaute optimistisch auf den digitalen Einsatz von Bots: Viele Technologien könnten den Patient*innen das Leben erleichtern und die Pfleger*innen entlasten. Menschliche Zuneigung allerdings könne nicht ersetzt werden. Deswegen gab sie auch die zentrale Antwort auf die Frage, ob Roboter der Pflegebranche die fehlenden Fachkräfte ersetzen. Das sei ausgeschlossen, der Bedarf an menschlicher professioneller Pflege und Zuwendung würde weiter bestehen.

Digitalisierung ist ein Hilfsmittel, das Dokumentations-Prozesse digital systematisiert – pflichtete ihr Informatiker und Softwarehersteller Lars Begerow von der Fa.Micos bei. Auf diese Wiese werde Zeit der Pflegenden gespart. Dadurch könne mehr Zeit für die tatsächliche Pflege frei werden. Und nicht diese ersetzen.

Alle Teilnehmenden blickten optimistisch und überzeugt in die Entwicklung der Digitalisierung in der Pflege, dass sie Vorteile bringe und Entlastung. Aber Beschäftigte müssten einbezogen werden hinsichtlich der Frage, was es an Digitalisierung brauche, um eine gute Pflege und gute Arbeitsbedingungen gewährleisten zu können!

Ihr wollt das nächste Mal auch #dabei.digital sein? Unsere Veranstaltungen für 2020 sind schon in Vorbereitung. Schaut gerne hier wieder rein. Wir freuen uns auch Euch!


Nach oben

Zuletzt besuchte Seiten