Deutscher Gewerkschaftsbund

12.03.2021

Zur Zukunft der Bildungsregion: Kontroverse Diskussion zwischen Gewerkschaften, Parteien und beteiligten Körperschaften

Bewährte Strukturen oder neue Dienstleister? Öffentliche Hand oder Stiftungsstrukturen als Dach der Bildungsregion Südniedersachsen e.V.? Wen muss die koordinierende Struktur überhaupt aus Gründen bildungspolitischer Zielsetzungen besonders im Blick haben?

Mit diesen Kernfragen beschäftigte sich auf Einladung der DGB Region Südniedersachsen-Harz ein virtuelles Diskussionsforum am 22.2.2021. Der DGB, selbst Mitglied der Bildungsregion,  lud unter dem Titel „Investition in die Zukunft:  In welche Hände gehört Bildung in der Region?“ Landrat Bernhard Reuter, Vorsitzender Stiftungsrat SüdniedersachsenStiftung, Dr. Martin Rudolph Vorsitzender des Vorstandes SüdniedersachsenStiftung,  Elke Moeken, Vorsitzende des Kreisverbandes der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Göttingen, sowie Susanne Stobbe für die GRÜNEN des Stadtverbandes Göttingen dazu ein, die gegenwärtige Debatte um die Zukunft der Bildungsregion  zu schärfen. Weitere Akteure, wie Parteienvertretungen, zogen es vor, im Plenum und nicht auf dem Podium teilzunehmen. Die bislang über Pressemitteilungen und Leserbriefe geführte Debatte konnte unter Beteiligung von über 50 Teilnhemenden fokussiert und konstruktiv geführt werden.

Während Vorstand der Bildungsregion in der Überführung an die erfahrene und netzwerkende SüdniedersachsenStiftung eine Professionalisierung und operative Entlastung sieht, wollen GRÜNE der Stadt Göttingen und der gewerkschaftliche GEW Kreisverband eine Evaluation und Verbesserung der bisherigen Struktur ganz in kommunaler Hand belassen. Dabei spielen für die Kritiker_innen die inhaltliche Ausrichtung der Stiftung und die Sorge gerade Bildungsschwache aus dem Blick zu verlieren eine zentrale Rolle. Weiterer zentraler Kritikpunkt ist, die Verschiebung kommunaler Zuständigkeiten zum Thema Bildung in privatwirtschaftliche Zusammenhänge. Man teile die Analyse, dass es Verbesserungen der Struktur brauche, um gesteckte Ziele zu erreichen. Es brauche aber dazu nicht eine neue Dachstruktur und eine Überführung darunter. Auch andere teilnehmende Gewerkschafter_innen betonten, dass hier kein Zweifel daran bestehe, regionale Körperschaften und wirtschafts- und bildungspolitische Akteure mit einander zu vernetzen und zusammenzuwirken zugunsten einer teilhabeorientierte Bildung. Zentraler Standpunkt dabei sei aber, dass gerade die SüdniedersachsenStiftung aus regionalkompetitiver Perspektive Ziele verfolgt. Fachkräfte zu gewinnen kann nicht das zentrale Ziel von Bildungsgängen sein, sondern ein selbstbefähigendes Verständnis. Hier zu teilte Landrat Reuter als Vertreter der Befürworter einer Überführung das Bildungsverständnis der Kultusministerkonferenz unter den Stichworten: Partizipation, Selbstvertrauen, Teilhabe und Selbstbefähigung. Sowohl Bernhard Reuter als auch Geschäftsführer der Stiftung Dr. Tim Schneider, der den erkrankten Vorsitzenden Dr. Martin Rudolph vertrat, versicherten: Die Stiftung selbst müsse sich nach der Überführung in Punkto Bildungsschwerpunkt verändern.

Elke Moeken (GEW) betonte die Kompetenzen des bisherigen Bildungsbüros und die Potentiale einer aus öffentlicher Hand geführten und unter Wahrung von Mitbestimmungsstrukturen geleiteten Bildungsregion. Bevor man auf ein neues Pferd setze, müsse man das bisherige Potential evaluieren und andere kommunale Player anfragen. Auch unter den Teilnehmenden im Chat und mit Wortbeiträgen stellten sich die Fragen, warum die Expertise des Bildungsbüros in Frage gestellt werde, und wie dessen Zukunft aussähe. Öffentliche Mittel müssten in öffentlicher Hand bleiben, so einige Stimmen. Und die Frage, ob Interessenvertretungen wie Gewerkschaften überhaupt formell einer Stiftung noch angehören könnten, gewichtete die Sinnhaftigkeit einer neuen Struktur in Stiftungshand.

Suse Stobbe von den GRÜNEN setzte ebenfalls auf eine Struktur, in der hohe Kompetenzen in Fragen Bildung dominieren - diese seien nun mal nicht in der Stiftung zu verorten. Sollte diese Zielsetzung sich aber durchsetzen, wollen die städtischen GRÜNEN ein eigenes Bildungsbüro für Göttingen etablieren.

Alle Diskussionsgäste schlossen die rund zweistündige Diskussion mit einer Vision der Zukunft der Bildungsregion ab. DGB-Regionsgeschäftsführerin und Moderatorin Agnieszka Zimowska gab abschließend mit auf den Weg, dass hier nun eine enorme Verantwortung bei der anstehenden Mitgliederversammlung der Bildungsregion liege. Diese müsse die richtige Entscheidung treffen für eine zukunftsweisende Investition der Region: nämlich die Zukunft der Bildungschancen.


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