Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 17 - 15.07.2020

Gewerkschaften: Ausbildung trotz Corona sichern

Zum Ende des Ausbildungsjahres warnt der Deutsche Gewerkschaftsbund in Südniedersachsen vor einem verlorenen nächsten Jahr für die Berufsausbildung. Zuletzt prognostizierten in Niedersachsen Handwerkskammer 10% und Industrie – und Handelskammer bis zu 20% weniger gemeldete Ausbildungsplätze.  DGB-Regionsgeschäftsführerin Agnieszka Zimowska ist besorgt: „Die Maxime ‚Keiner darf verloren gehen‘ gilt für uns auch in Corona-Zeiten. Die Zukunft unserer Fachkräfte von morgen fängt mit jedem neuen Ausbildungsjahr an. Gerade die Hotel- und Gaststättenbranche sucht händeringend qualifizierte Kräfte. Gleichzeitig treffen Corona-Effekte sie besonders hart. Wenn jetzt also Ausbildung zurückgefahren wird, verschärft sich das Problem weiter.“ Hier böten die von den Gewerkschaften mitgestalteten Ausbilungsschutzmaßnahmen auf Bundes- und Landesebene vielversprechende Optionen. Unter anderem stehen im zweiten Landesnachtragshaushalt 18 Millionen Euro für den Aktionsplan Ausbildung zur Verfügung. Die Geschäftsführerinnen der DGB Region Zimowska und der Gewerkschaft NGG Süd-Ost-Niedersachsen-Harz Katja Derer begrüßen gemeinsam die finanzielle Unterstützung kleinerer bis mittlerer Betriebe zum Erhalt der Ausbildungsleistung. Die NGG-Chefin dazu:

„Auch die Gastronomie sollte davon profitieren, denn sie schafft öffentlichen Räume für unser Zusammenleben und ist im Kern international und gastfreundschaftlich. Damit ist sie aus unserer Sicht durchaus systemrelevant. Eine Förderung darf aber nicht um jeden Preis stattfinden. Der Maßstab für jede Förderung muss eine gute Qualität der Ausbildung sein. Hier haben viele gastronomische Ausbildungsbetriebe leider in den letzten Jahren ein schlechtes Bild abgegeben, obwohl der Fachkräftebedarf groß ist. Jetzt weniger auszubilden, würde mittelfristig die Probleme der Branche noch weiter verstärken. Jetzt weiter mies auszubilden, aber mit staatlicher Förderung, das würde den Ruf endgültig ramponieren. Wir als NGG werden uns das genau ansehen, was da passiert.“

 

Schon vor Corona hatte der niedersächsische Ausbildungsmarkt seine Defizite. Seit Jahren ist er durch ein strukturelles Ungleichgewicht gekennzeichnet. Obwohl 100 Prozent der Betriebe von qualifizierten Fachkräften profitieren, bildet nur noch rund ein Fünftel von ihnen selbst aus. Im letzten Jahr kamen auf hundert Jugendliche, die sich um eine Ausbildung bewarben, nur neunzig Ausbildungsplätze. Für ein auswahlfähiges Angebot müssten es über einhundertzwölf Stellen sein.

 

Zuletzt haben die Sozialpartner im Landesausschus für berufliche Bildung sich auf zentrale Schwerpunkte und Maßnahmen geeinigt, die die nächste Auszubildenden-Kohorte sichern sollen. Dazu gehört das Ziel, bestehende Ausbildungsverhältnisse zum Abschluss  zu führen, eine gemeinsame Beratungs- und Vermittlungsoffensive der dualen beruflichen Bildung, sowie neue Ausbildungsverhältnisse zu sichern.

 

 

Hintergrund:

Im Arbeitsmarktbericht der Agentur für Arbeit Göttingen wird für Juni ein Rückgang der Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze um 10,0% im Vergleich zum Vorjahr ausgewiesen. Die Zahl der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber stieg sogar um 15,3%. Landesweit waren bis Ende Mai sogar ein Viertel weniger Ausbildungsverträge eingetragen als zu diesem Zeitpunkt im letzten Jahr (-25,2%).

 

 

Als Ansprechpartnerin für Rückfragen steht Ihnen Katja Derer, die Geschäftsführerin der NGG Region Süd-Ost-Niedersachsen-Harz zur Verfügung:

Katja Derer

Geschäftsführerin

Gewerkschaft NGG

Region Süd-Ost-Niedersachsen-Harz

Wilhelmstr. 5

38100 Braunschweig

Tel.: 0531/24274-0

Fax: 0531/2427417


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