Deutscher Gewerkschaftsbund

11.04.2019

Personalisierst du schon oder kaufst du nur?

Wie wir durch Konsum neue Wertschöpfungsketten erschaffen

Die Zukunft macht nicht halt, bloß weil wir nicht auf sie vorbereitet sind.

Mit Vollspeed und Corona-Rückenwind rauscht die Digitalisierung durch alle gesellschaftlichen Bereiche. Lassen wir sie nur über uns hinwegsausen - oder setzen wir unsere Segel in den Wind und gestalten sie mit?

Wir entscheiden uns fürs Mitgestalten! In Zeiten von Corona keine leichte Herausforderung, denn angesichts des dringend gebotenen physical distancing braucht es neue Veranstaltungsformate. Wir sind deshalb innovativ nach vorne gegangen und haben eine "Abstands-Podiumsdiskussion" abgehalten. Ohne Publikum, aber mit zweiköpfigem Kamera-Team und viel, viel Technik. Und: Mit jeder Menge Inhalt! Gemeinsam haben wir uns mit brand-aktuell betroffenen Bereichen der Digitalisierung auseinandergesetzt: Der Branche des Handels und der Finanzdienstleistungen.

Zusammen mit Vertreter*innen aus Wissenschaft, Gewerkschaften und der Wirtschaft ging war es ein hochexpertiser Ritt durch die drängensten Fragen der Branchen: Wie haben die großen neuen Digitalen Player Google, Amazon, Facebook und Apple die Branchen verändert? Wo sind die Branchen in dem Zuge eigentlich verschmolzen? Wieviel Digitalisierung ist für ein erfolgreiches Geschäftsmodell zwingend? Wie verändern sich Arbeitsbedingungen - und was braucht es, damit dabei die Interessen der Arbeitnehmer*innen effektiv Berücksichtigung finden?

Was erwartet uns in der Zukunft - und wie können wir darauf reagieren und Gesellschaft gestalten statt nur zuzusehen?

Längst haben sich in den Branchen des Handels und der Finanzdienstleistungen weitgehende Umbrüche vollzogen - vielfach ist in Teilbereichen der Branche auch noch längst nicht klar, wer und welche Geschäftsmodelle sich (wie weitreichend) durchsetzen werden. Beispielhaft ist das schon immer wichtige Geschäft mit Kundendaten zu nennen. Während in vergangenen Jahrzehnten Banken und Versicherungen in der Regel selbst diese Daten "abgriffen", wenn Produkte von ihnen in Anspruch genommen wurden, hat sich dies heute verschoben: Oftmals sind es Online-Vergleichsplattformen wie Check24, die für sämtliche Dateneingaben genutzt werden und so auch den Vertragsabschluss gewährleisten. Auch im Handel gewinnt die "Plattformökonomie" an Bedeutung: Plattformen wie Amazon bieten großen und kleinen Händlern einen Handelsplatz um ihre Produkte zu veräußern - die Kundendaten jedoch gehen sämtlich an Amazon.

Trotz der Umbrüche durch die Digitalisierung ist die Bedeutung des Analogen insbesondere die Branche des Handels und der Finanzdienstleitungen keinesfalls zu vernachlässigen: Beispielsweise macht bislang der Online-Handel lediglich etwa 11 Prozent des Einzelhandelsumsatzes aus. Gleichzeitig beschränkt sich "Digitalisierung" nicht bloß auf die Kommunikation mit den Kunden bzw. das Online-Vertreiben von Waren. Auch interne unternehmerische (Verwaltungs-)Abläufe sind durch die Digitalisierung teilweise weitreichenden Veränderungen unterworfen.

In der Diskussion konnten wir zahlreiche Felder und Fragenkomplexe anschneiden und teilweise bereits ausführlicher in die Tiefe gehen. Deutlich wurde dabei die Weitläufigkeit, Komplexität und vor allem gesellschaftliche Bedeutung des Themas "Digitalisierung". Einige Antworten haben wir bereits finden können - und viele neue Fragen gilt es noch zu bearbeiten.

Aber seht selbst: Die zentralen Ergebnisse haben wir in dem oben einsehbaren 10-minütigen Video-Clip für euch zusammengefasst.

 

 



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19.05.2020 Veranstaltungsankündigung: Personalisierst du schon oder kaufst du nur?

In unserem Clip erfahrt Ihr mehr.

 

19. Mai 2020

 

Einfach nur schnöde kaufen und Bares auf die Hand? In Zeiten zunehmenden Onlinehandels, digitaler Bezahlsysteme und personalisierter Produkte ist dies eine anscheinend veraltete Wertschöpfungsform. Wohin verlagern sich hier Anpassungs- und Arbeitsprozesse? Wer profitiert und wer hat den finanziellen Nutzen?

Auch das Bankenwesen verändert sich mit bequemen digitalen Bezahlsystemen und Onlinebanking umfassend. Das hat nicht nur Filialschließungen zur Folge, sondern wirkt sich auch grundlegend auf betriebliche Abläufe der Beschäftigten in Sparkassen und Banken aus. Auch demokratische Gestaltungsräume und die Kontrolle des Finanzwesens durch unabhängige Gremien sind betroffen. Wenn wir online Zahlungsdienste in Anspruch nehmen, sind wir anscheinend bereit, zum gläsernen Kunden zu werden.

Digitale Konsummöglichkeiten prägen also maßgeblich unseren Alltag, unseren Lifestyle, aber auch unsere Teilhabe an gesellschaftlicher Wertschöpfung. Was müssen wir beachten in der schönen neuen Welt des Konsums und digitalen Geldes? Wie gelingt es uns, Kontrolle über persönliche Daten zu erhalten? Wie verändern sich Verbraucher*innenrechte, wenn wir gleichzeitig zu Co-Produzent*innen werden? Diesen Fragen wollen wir uns stellen und nach notwendigen Handlungsschritten suchen.

 

Wir nehmen diese Fragen als Anlass, Expert*innen zu dem Thema einzuladen zu gemeinsam zu diskutieren. Aufgrund der bekannten pandemischen Umstände natürlich nicht unmittelbar öffentlich. Vielmehr steht unserem Abstands-Podium ein Kamera-Team zur Verfügung, das den Abend einfangen und verarbeiten wird. Am Ende steht ein Film-Clip, der die zentralen Inhalte der Diskussion zusammenfügt und den wir natürlich hier und auf Facebook mit euch und Ihnen teilen werden!

Als Expert*innen konnten wir gewinnen:

  • Dr. Knut Tullius (SOFI, Göttingen)
  • Dr. Klaus-Peter Buss (SOFI, Göttingen)
  • Ursula Haufe (GWG, Göttingen)
  • Moritz Braukmüller (Gewerkschaftssekretär ver.di, Südostniedersachsen, FB12)

    Moderierend werden uns Agnieszka Zimowska (DGB-Region Südniedersachsen-Harz) und Petra Köster (Arbeit und Leben Göttingen) durch den Abend führen.

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